Notizblog
Damit auf diesem Blog auch mal wieder etwas Leben in die Bude kommt, ein paar kurze Notizen zu den letzten Tagen.
Dresden war nicht nur verflucht kalt, sondern auch für die Antifa nicht sonderlich erfolgreich. Warum das mit dem "no pasarán" nicht so recht geklappt hat, was an diesem Vorbereitungsbündnis alles auszusetzen ist, und wie die Antifa-Demo und der Rest (was nicht heissen soll, auf der Antifa-Demo hätte es nichts ekelhaftes gegeben) so aussah, das ist ja alles schon längst dokumentiert. Und weil Dresden immer so ein schönes Thema für "Internet-Beef" ist, wurde auch ein offensichtlich polemischer Artikel zum Anlass genommen, mal wieder gegen die antideutschen Trottel zu schießen. Es geht doch nichts über diese großen Polit-Events im Jahr, um ein wenig für Stimmung zu sorgen.
Dafür gab es auch amüsantes am Rande zu belauschen. Mein Favorit war die Demonstrantin, die dem Polizisten vor ihr immer wieder zu erklären versuchte, dass der Satz "Sie behandeln mich ja so, als ob ich eine Bombe dabei hätte" mitnichten bedeutete, dass sie tatsächlich Sprengstoff mit sich führt und daher nochmal untersucht werden müsste.
Gerade mal eine Woche später lassen auch hier die Menschen die Maske fallen - ironischerweise gerade durch das Aufziehen einer solchen - und zeigen ihre kaum verhohlene Sehnsucht nach Barbarei, die im "Fasching" endlich ausgelebt werden darf. Dabei stellt sich mit den Jahren ein Gewöhnungseffekt ein, selbst die "UWE - FICKT FÜR DEUTSCHLAND"-T-Shirts können mich nicht mehr wirklich überraschen. Der Schock stellt sich erst dann ein, wenn man zwischen diesem Freude heuchelndem Kollektiv, in dem sexistische Übergriffe und stumpfester Nationalismus ausgelebt werden können, ausgerechnet die Leute findet, die man im restlichen Jahr zu seinem Freundeskreis zählen würde. Meine tatsächliche Sorge ist aber vor allem: Wenn dieser mickrige Provinzkarneval meine Nerven schon derart strapaziert, wie muss dieser Irrsinn erst in Mainz, Düsseldorf oder Köln ausfallen?
Recently seen on Krautland: Vom Pfälzischen ins Hochdeutsche übersetzes Gespräch eines Fahrradfahrers und einer Fahrradfahrerin (dunkelhäutig).
Fahrradfahrerin: "Wieso sagst du "scheiß Mischlinge"?
Fahrradfahrer: "Ja, das war ja nur ein Scherz"
Fahrradfahrerin: "Nein, du hast gesagt "Das liegt an diesen scheiß Mischlingen".. Ich bin doch auch ein "Mischling".
Fahrradfahrer: "Ja.. aber ich meine ja die anderen, nicht dich. Die, die nicht hierher gehören. Du bist ja schon okay, aber ich will halt schon ne deutsche Frau haben. Das wirst du ja wohl verstehen, oder?!"
Bleibt nur zu hoffen, dass die "nur ein bisschen parasitäre Mischlings-" Frau dem armen deutschen Mann nicht bei der Erfüllung seiner Träume im Weg steht. Würg.
Die NSDAP ist keine Terrorgruppe
Wie ein Hamas-Versteher die weltpolitische Lage Ende 1944 kommentieren würde
VON STEFAN FRANK als Gastbeitrag auf Lizas Welt (im Bezug auf dieses Thema)
Schon einmal, von 1914 bis 1918, hat Großbritannien gegen Deutschland Krieg geführt. Deutschland blieb im Felde unbesiegt, und langfristige Stabilität wurde nicht erreicht, wie die Ereignisse seit 1939 zeigen. Aber die britische Regierung hat daraus nichts gelernt. Mit völlig unverhältnismäßigen Bombardements in dicht besiedelten Gebieten reagiert sie darauf, dass in London immer wieder primitive selbstgebaute V2-Raketen niedergehen, die zwar Angst und Schrecken verbreiten, aber kaum Schäden anrichten.
Doch auch mit brachialer Gewalt kann Großbritannien diesen Krieg nicht gewinnen. Denn selbst wenn es gelänge, die gesamte Führungsebene der NSDAP auszuschalten, wäre die Organisation noch lange nicht am Ende. Es stehen genug frustrierte, radikalisierte junge Männer bereit, um die Plätze von getöteten NSDAP-Mitgliedern einzunehmen. Die NSDAP ist keine Terrorgruppe, sondern eine Massenorganisation, die Wohlfahrtseinrichtungen betreibt und durch Wahlen legitimiert wurde. Auch ein vollständiger Stopp des Beschusses Großbritanniens ist nach Meinung von Experten nur kurzfristig zu erreichen. Zwar schwäche die Offensive die Infrastruktur der NSDAP, aber langfristig werde sie wieder in der Lage sein, Raketen auf britisches Gebiet abzufeuern.
Das Private ist politisch
Während draußen in ganz Deutschland der Schnee dieses Land ein wenig ansehnlicher macht, bleiben die Südpfalz und ihre Bewohner auch im neuen Jahr von derlei Landschaftskosmetik verschont. Da zudem peitschender Schneeregen ein verdammt gutes Argument wäre, sich hinter die Bücher zu setzen, ist diese Wetterlage umso unerfreulicher. Denn ein Blick in die diversen Bücher, die seit Wochen unser Leben bestimmen sollten(!), wäre angesichts des in 12 Tagen anstehenden Abiturs eine durchaus sinnvolle Zeitinvestition. So lange wir uns allerdings beide mehr durch gegenseitige Beleidigungen und Vorwürfe über die mangelnde Lernbereitschaft des jeweils anderen die Zeit vertreiben, anstatt tatsächlich die Personenkonstellation des Faust auf biblische Zusammenhänge zu prüfen oder der reversen Transkriptase der RNA auf den Zahn zu fühlen, sehen die Perspektiven auf einen rühmenswerten Abschluss nicht gerade rosig aus.
Da man aber dann wohl doch einiges von dem Land lernt, in dem man lebt, entwickeln wir uns zielstrebig zu Verdrängungsspezialisten. Sei es fehlende Schokolade, unzureichende Menge an Kaffee oder eine deutlich wichtigere TV-Show (Tiefpunkt: Hannah Montana-Marathon): irgendwas ist immer. Und sobald die Sonne untergeht, was naturgemäß in diesen Gefilden im Winter recht früh der Fall ist, ist der Tag ohnehin gelaufen. Wenn schon kein Konzert und keine Party ansteht und auch der eineinhalbtägige Komplettausfall nach Silvester keine Ausrede mehr liefern kann, dann wird eben in der Kneipe Karten gespielt. Immerhin werden unsere Kartenspielkünste jeden Tag besser. Ob die den argumentativen Aufbau unserer Abiturarbeiten entscheidend verbessern können, erscheint mir allerdings fraglich. Bonjour tristesse.
Sollte es uns wider Erwarten aber nun tatsächlich irgendwann gelingen, die Vorbereitung für das Abitur aufzunehmen, wird es hier in den nächsten 3 Wochen wohl eher wenig Artikel zu finden geben. Ist wohl besser für uns alle. Dann gibt es auch wieder ein bisschen weniger privates, "pseudointelligentes Rumgeheule mit unlustigen Pointen" (Ich über mich) und mehr von dem Zeug, das bei guten Bloggern wohl als "Kritik" durchgehen würde. So long.
Wo der Himmel brennt
2009 wird für die anständigen Deutschen eine einzige Jubelfeier. 60 Jahre Currywurst, 60 Jahre BRD und Grundgesetz, und natürlich: 60 Jahre Volkswagen. Denn die "Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH" wurde am 28. Mai 1937 gegründet. Nach ein wenig Kopfrechnen fällt allerdings dem ein oder der anderen meist auf, dass sich die Marketingstrategen der Volkswagen AG ein wenig verrechnet haben müssen, feiert doch VW im nächsten Jahr den 72. Geburtstag. Warum also die falsche Jahreszahl? Schnell wird ersichtlich, dass dies natürlich kein Versehen, sondern nur ziemlich plumpe und typisch deutsche Geschichtsklitterung ist.
Von Köhler, Kapitalismus und China
Man ist ja von Herrn Köhler, seines Zeichen Bundespräsident, in Sachen dämliche Aussagen einiges gewöhnt. Speziell im Bereich des Finanzwesens zeigte Horst Köhler in der Vergangenheit mit Leidenschaft seine Interpretation von Gut und Böse im Kapitalismus. Deshalb durfte man gespannt sein, was Horst Köhler bei dem Frankfurt European Banking Congress an Weisheiten parat hatte. Schließlich lechzte "sein Volk" doch nach Erklärungen, wieso sie jetzt schon wieder kein Geld mehr haben. Köhler sollte nicht enttäuschen.
Solide kaufmännische Grundregeln wurden missachtet. Teile der Finanzbranche koppelten sich ab von der Realwirtschaft. Ich bitte sie: besinnen sie sich wieder auf die Tugenden des soliden Bankiers. Und ich sage bewusst "Bankiers". Und nicht "Banker".