Krieg ist Frieden

"Friedensdemonstranten" am 2. Juni, Frankfurter Römerberg

"Friedensdemonstranten" am 2. Juni, Frankfurter Römerberg

Wenn in Deutschland Tausende auf die Straße ziehen, dann bedeutet das meist nichts Gutes. Dieser Tage stehen die immer gleichen friedensbewegten Völkerbefreier auf um ihr Lebenswerk endlich zu vollenden. Beseelt von Friedensgeist, Blumenduft und dem süßlichen Geruch der eigenen ideengeschichtlichen Verwesung möchten sie das scheinbare Hindernis für ihr Friedensprojekt aus dem Weg räumen.

Am 31.5, als die IDF Naval Forces die Mavi Marmara stürmen, kommt es zum Zusammenstoß mit dem Lynchmob aus Märtyrern im Heiligen Krieg. Diejenigen, die nun von nahezu allen Medien zur humanitären Hilfsflotte erhoben werden, hatten jedoch anderes im Sinn. Das zeigte schon ihr Ausschlagen des Transportangebots für die Hilfsgüter über die etablierten Versorgungsrouten. Ihr erklärtes Ziel war die Unterminierung der Kontrolle Israels über die Lieferungen in den Gaza-Streifen, dem einzig wirksamen Mittel Israels, die Waffenlieferungen an die ihn administrierende Hamas einzudämmen. Diese Blockade aufzuheben hätte nur einen Zweck, den die Teilnehmer der Flotte scheinbar forcieren oder zumindest dulden, auf den sie sich aber auch ganz praktisch seit Tagen vorbereitet hatten: den Judenmord. Die sich verteidigenden Einheiten der IDF greifen in letzter Instanz zu ihren Handfeuerwaffen um ihre Leben zu retten. Was neun Leben jener kostet, die ohnehin nur den eigenen Tod als Martyrium wollen und das auch ohne Medienecho ankündigten1. Nun ist der blutige Ausgang eines Zusammenstoßes zwischen solchen, die das Leben von Juden vernichten wollen und denen, die es schützen nichts Neues. Besonders ist nicht nur, dass die Initiative für diesen Akt des Terrors vom Vorsitzenden des „Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten“ ausging23. Besonders ist vor Allem der internationale Rückhalt den sie genießen. Diesen erfahren sie nicht ausschließlich vom Ahmadinedschads Bruder im Geiste, Recep Tyyip Erdogan, dem Ministerpräsidenten des türkischen Heimatlandes der Mehrzahl der Terroristen, nicht nur von jenen fanatischen Israelhasserinnen die „wohl um uns [sie] zu schützen“4 im „Frauendeck“ eingesperrt waren, nicht nur von den fanatischen Männern die zwar nicht eingesperrt, aber unter Deck weilten. Nicht verwunderlich ist die Parteinahme der neonazistischen Parteien der Welt für die Friedensflotte, nicht verwunderlich die Sympathie bei islamistischen Communities und etablierten Terrororganisationen. Leider ebenso wenig erstaunlich ist die prompte Parteinahme derer die sich vorgeblich dem Frieden verschrieben haben, der unzähligen NGOs deren Erklärtes Ziel Gewaltfreiheit ist, der unzählbaren Antifa-Gruppen, die sich unter einem Eklektizismus von Adornos Worten „das Auschwitz nicht noch einmal sei“ einfinden, um dann von der Faschisierung Israels reden zu können.

Bei allem Wohlwollen für diese Verbrecher in Theorie und Praxis, in Text und Ton ist nun der Gipfel im antisemitischen Himalaya erreicht. In kürzester Zeit – teilweise noch bevor die ARD ihre Berichte sendete – sammelten sich die Friedenskämpfer Deutschlands in allen Großstädten zu Mahnwachen mit militanten Palästinenserorganisationen und Dschihadisten. Dort äußerten sie den vorgeblichen Wunsch nach „Aufklärung“ der Geschehnisse und beklagten das mangelnde Medienecho der Geschehnisse. Dass sich ihre Wünsche schon längst erfüllten verschwiegen sie zum Zwecke der Skandalisierung. Kaum ein Medium – von der ‚Springerpresse‘ mal abgesehen – sah sich im Stande Berichte zu verfassen, die ohne das Wort ‚Massaker‘, ‚Piraterie‘ und ‚Menschenrecht‘ auskamen. Da erstaunt es schon, dass eingefleischt antizionistische Blätter wie die ‚Taz‘ noch die in Relation ‚kritischeren‘ Berichte verfassten – die Zeitung für den linksbürgerlichen Israelhasser „Süddeutsche“ machte hingegen ihrem Ruf alle Ehre5. In den Medien der Türkei wird hingegen kein Hehl daraus gemacht, dass das Ziel der Blockade-Terroristen das brechen selbiger oder das Martyrium war. In Deutschland muss man eine solche Darstellung jedoch lange suchen, was Richard Herzinger für zuletzt erwähnte ‚Springerpresse‘ nachvollzieht6. Dort zieht er den leider kaum hinkenden Vergleich zwischen Orwells „Neusprech“ und der Verwendung des Wortes ‚Humanitäre Hilfe‘ an der Stelle von ‚Blockadebruch‘. Fakten werden zur Freude von Linkspartei und anderen Terrorverstehern mit Adjektiven wie „angeblich“ belegt, während man diese Klammer des – berechtigten – Zweifels anscheinend bei allen Angaben von FreeGaza und den anderen Hamas-Helfern vergisst.

So verwundert es auch nicht, dass kein Wort darüber verloren wird, dass Israel – so wie es jeder Staat tun würde – das Recht zur gewaltsamen Verteidigung seiner nationalen Souveränität gegen die überzeugten Anhänger des Märtyrertods im Projekt des dschihadistischen „Friedenskrieg“ ergriff. Kein Wort wird verloren darüber, dass es – wie die Westbank zeigt – der Terror ist, der Länder ins Unglück stürzt, nicht Israel. Das jedoch zu erkennen würde wohl mehr erfordern als den Multikulti-Antirassismus zu feiern, der schon bei seiner Erfindung nicht mehr als eine Umformulierung der Weimarer Ethnologie mit einem Hauch von Koriander und Kümmel in der Völkersuppe war. So erscheint es auch als gar nicht mehr so erstaunlich, dass die Produkte eben jenes Antirassismus‘, die zahlreichen AntiFa und AntiRa-Gruppen der Bundesrepublik, kein Problem damit haben zusammen mit bekennenden Dschihadisten für ihren Frieden zu Protestieren.

Vielleicht ist es auch ‚nur‘ eine Krankheit, wie die Aussage „we all have Gaza fever“7 nahelegt, mit Pathologie eines antisemitischen Wahnsinns…

1 http://www.youtube.com/watch?v=yNwsut8Dkbg (0:20)

2 http://www.paltelegraph.com/palestine/west-bank/5786-ging-demands-international-community-to-break-gazas-siege

3 http://www.freegaza.org/de/home/56-news/1174-israels-disinformation-campaign-against-the-gaza-freedom-flotilla

4 Junge Welt, 02.06.10

5 http://www.sueddeutsche.de/politik/angriff-auf-gaza-konvoi-jedes-mass-verloren-1.952254

6 Welt am Sonntag, 06.06.2010 – „Wer sitzt das alles in einem Boot?“

7 http://www.freegaza.org/en/home/press-releases/1188-were-on-our-way

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