Deutschrap und Stammtischparolen

17
Dez/08
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Pünktlich zu den Releases von Aggro Berlin und Konsorten wird ein altes Märchen in den HipHop-Foren dieses Landes ausgegraben – die vom politischen deutschen “Conscious-Rap”. Der nämlich ist der Gegenentwurf zu Berliner Gangstergepose, die wahre Lyrik des 21. Jahrhunderts, und vor allem die Verkörperung von dringend benötigter Sozialkritik, fern ab von antisemitischen Gangsterrappern, nationalistischem Rumgepose und frauenverachten “Porno-Styles”. Als deutsche Weltenretter werden meist Curse, Prinz Pi oder Blumentopf in den Ring geschmissen. Doch was heißt in diesen Fällen “politisch”?

Als erstes Objekt dieser kleinen Fallstudie legen wir mal Curse auf den Seziertisch. Der Mindener Rapper zählt bei nicht wenigen als das “Gute Gewissen” von Deutschland. Im Gegensatz zu Texten à la “Du dreckige

Curse

Schlampe, fick mich und halt dein Maul” (King Orgasmus One) mag das ja ein Fortschritt sein. Wer sich allerdings politisch gut durchdachte Texte erhofft, wird schnell enttäuscht. Stattdessen wird lieber die Abkürzung über die Verschwörungsroute genommen

(Denk ne Sekunde nach/Für wen ist es wunderbar/ Wenn wir schon in jungen Jahr’n/ Erwartungen runterfahr’n/ Für die, die das Land regieren, sind wir leicht zu verarschen)

oder das Feindbild “Die da oben” bedient

(Es geht darum Zeichen zu setzen für die Reichen in Sesseln/ Dass es Sachen gibt, die wir nicht einfach schlucken mit seichtem Lächeln).

Bei aller Liebe, aber wo denn da nun der große Fortschritt zu stumpfsinnigen Deutschpunk-Textereien von Slime und Konsorten stecken soll, müsste mir auch mal jemand erklären. Im Gegensatz haben die wenigstens schon festgestellt, welches Schicksal Deutschland ereilen müsste. Zudem bleibt die Frage stehen, wie wünschenswert “politischer Rap” ist, bei dem in Zusammenarbeit mit Gentleman mal wieder versucht wird, Babylon in Schutt und Asche zu legen:

Today is such a lovely day, stand up and fight again/ we and Babylon at war until we a gon sleep at night again

Prinz PiExtrem hoher Beliebtheit erfreut sich auch der kreative Kopf des deutschen HipHops, Prinz Pi. Bekannt wurde der Berliner durch difuse, aber amüsante Verschwörungstheorien, in denen von unterirdischen Weltbeherrschern und allgegenwärtigen Cyborgs fantasiert wird. Weniger amüsant erscheinen seine “politischen” Machwerke.

Und wenn ihr auch seht wie hier alles drauf geht/ Will ich, dass ihr aufsteht und eure Faust hebt/ Sag selbst, was du vom Krieg im Irak hältst/ Der Präsident dieser Welt ist der Teufel im Schafspelz.

Auf diesem Niveau wird dann auch weiter gegen Amerika und George W. Bush geschossen.  Damit auch jeder versteht, wer auf der Welt denn so genau Opfer und Täter ist.

Im Land der unbegrenzten Tötlichkeiten / Gibt es jede Menge böse Seiten schönzuschreiben/[...] Ab dann wird alles irrational/ Verdammt, im Iran versuchts der Irre nochmal!.
Ganz und gar nicht mehr witzig werden dann Zeilen à la:

Ich glaubte mich verloren, doch fand, halt an einem Stift/ es ist die Generation Djihad die heut aus mir spricht.

Prinz Pi - Instinkt EPDa mag er noch so laut versichern, kein Demagoge “wie Michael Moore” sein zu wollen – intelligent geht anders. Bei Prinz Pi vermischt sich Sozialkritik immer wieder nur allzugern mit antiamerikanischen Ressintemens und plumper verbaler Verharmlosung islamistischer Terrorakte. In diesem Zusammenhang ist die Aussage:

[Das ist der] der globalisierte Gott des Dollars/ der Gott des Rubels, des Euros, der Abu-Ghraib folgt, Prinz Pi, Sympathie für Hisbollah/

auch kaum noch als ironische Randbemerkung abzutun. Neben einer völlig verfehlten Kapitalismuskritik katapultiert den Prinzen die Sympathiebekundung für antisemitische Vernichtungswut endgültig ins Abseits. Aber das ist ja “dem Gehirn eines vollzeitintelligenten und teilzeitwütenden Berliners entsprungene, neue deutsche Musik” [laut.de]. Wie passend.
BlumentopfZum Abschluss einen kurzen Blick auf die “Spaßrapper aus München”. Immer wenn ich oben angeführte Vorwürfe erhebe, schmeißt man mir irgendwann Blumentopf an den Kopf. Die muss ich ja dann wohl mögen. Praktisch, denn einen tatsächlich politischen Track sucht man hier lange Zeit vergebens. Aber einen haben sie dann doch:

Danke Bush, dass man wie ich als feiger Pazifist/ Mal wieder stolz sein kann dass man Kriegsdienstverweigerer ist/ Und es ist ihr Verdienst dass sich Völker versöhnen mit Deutschland/ Keiner tut mehr als Sie für die Deutsch-Französische Freundschaft!

Antiamerikanismus für einen Deutschen Völkerbund. Und ich dachte schon, wir würden ein so schönes Klischee einfach vergessen. Aber was wäre ein kleiner Ausflug in die Welt der Friedensfreunde mit ihren alten Feinden und Freunden ohne das Sahnehäubchen?

Danke Bush, endlich wissen wir was los ist am Golf/ Dass man dort jahrelang UN-Resolution’ nicht befolgt/ Danke dass wir jetzt wissen, dass das schon reicht für ‘nen Krieg/ Obwohl in Israel seit 30 Jahr’n das Gleiche geschieht.

Die Gleichsetzung von Israel mit dem Irak, in dem ein mörderischer Diktator 24 Jahre lang das Land mit Terror beherrschte, ist nichts als stumpfer Antisemitismus. stumpfeste “Israelkritik”, die mehr als genug Anschlusspunkte für Antisemiten aller Couleur bietet. Anscheinend weiß man im “Deutschrap”, wem man sich verpflichtet fühlt. Wer jetzt noch errät, in welchem Ausruf dieser wundervolle Beleg von antiimperialistischem Friedensrap endet, darf sich die weiße Friedenstaube ans Revers heften. Kleiner Tipp:
Koljah weiß es:
Das alles soll nicht heißen, dass die aufgezählten Rapper keine gute Musik machen würden. Die neuen Alben von Curse (”Freiheit”) und Prinz Pi (”Neopunk”) sind größtenteils definitiv hörenswert. Die Frage ist jedoch einerseits, wieso diese zum Teil nur etwas stumpfen (Curse) oder tatsächlich antiamerikanischen und pro-islamistischen (Prinz Pi) Texte überhaupt nicht in der Kritik stehen bzw. nicht einmal thematisiert werden. Und andererseits, wieviel Spaß es machen kann, beispielsweise auf die (großartigen) Beats auf Neopunk abzugehen, wenn textlich Solidaritätsbekundung zu antisemitischen Terrorgruppen zu hören sind. Die oft beschworenen intelligenten Texte deutscher “Conscious-Rapper” erweißen sich schon beim schnellen Überblick schnell als ein sich als links verstehender Gegenentwurf zu den typischen deutschen Stammtischparolen. Über deren Niveau kommt dieser hingegen kaum hinaus. Scheinbar sind in Deutschland “politische Texte” bei den meisten KünstlerInnen von Antiamerikanismus und Antizionismus immer noch kaum zu trennen.

Ein schönes Liedchen dazu.

Unkraut

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Comments (14) Trackbacks (0)
  1. Hans
    23:00 on Dezember 17th, 2008

    Gegenvorschläge? Was sollte man hören? Gibt es etwas was man hören kann? Chaoze One? Albino?

  2. kaputt
    16:32 on Dezember 18th, 2008

    gegenvorschlag: danger dan – sommerlüge
    http://www.myspace.com/dubistdanger

  3. BoredLand
    16:42 on Dezember 18th, 2008

    ich bin ja mehr so für die klassiker:
    deine Ltan – Fick die Cops
    http://www.youtube.com/watch?v=35MtApvWl2Q

  4. unkraut
    17:36 on Dezember 18th, 2008

    Ich bin eigentlich gar kein Freund von “Hör XY, das ist total “linke” Musik”. Den Anspruch habe ich auch gar nicht an die CDs in meiner Anlage. Ich wehre mich nur stark dagegen, Rappern wie Prinz Pi zuzuschreiben, intelligente Musik zu machen. Wenn man denn unbedingt politischen Rap hören mag, würde ich auch (siehe kaputt) zu einigen Mitgliedern der Anti-Alles-Aktion greifen. Ich höre aber auch ganz gerne Dendemann. ;)

  5. Monique
    20:06 on Dezember 28th, 2008

    …naja… um mal auf den boden der fairness zurückzukommen:

    die line “Danke Bush, endlich wissen wir was los ist am Golf/ Dass man dort jahrelang UN-Resolution’ nicht befolgt/ Danke dass wir jetzt wissen, dass das schon reicht für ‘nen Krieg/ Obwohl in Israel seit 30 Jahr’n das Gleiche geschieht.” als “stumpfen Antisemitismus” zu bezeichnen ist doch um etwas viele Ecken gedacht.

    Nehmen wir einfach was da steht- es wird ein Vergleich angestellt zwischen Vertößen gegen UN-Resolutionen im Irak unter Saddam und selbigen in Israel. Hier wird ein deutlicher Fehler gemacht- Qualität und Quantität dieser Verstöße werden nicht beachtet, womit Saddams 24-jähriges Blutbaath (unglaublich schlechter Wortwitz, ich weiß) äußerst verharmlost wird.
    Das macht das ganze zwar zu einer plumpen und indifferenzierten Israelkritik, die vll. Antizionisten und Antisemiten gewisses Futter liefert. Jedem halbwegs intelligenten Hörer allerdings sollte jedoch klar sein, dass Blumentopf damit lediglich ein äußerst ungeschicktes Statement zur Einhaltung internationalen Rechts liefern will und infolgedessen Israel kritisiert- wenn auf nicht sonderlich intelligente oder originelle Art und Weise.
    Kritik am Vorgehen eines Staates oder des Militärs zu üben allerdings ist vollkommen legitim, egal, ob dieser Staat nun christlich, jüdisch, islamisch oder säkular ist.

    “Zudem bleibt die Frage stehen, wie wünschenswert “politischer Rap” ist, bei dem in Zusammenarbeit mit Gentleman mal wieder versucht wird, Babylon in Schutt und Asche zu legen:
    “Today is such a lovely day, stand up and fight again/ we and Babylon at war until we a gon sleep at night again”"

    Diese Auslegung ist, selbst für einen ironischen Einwurf, gelinde gesagt dämlich. Ein bisschen Rücksicht auf kulturell bzw. musikalisch bedingten Sprachgebrauch sollte man bei einem Verfasser mit derart fundierten Musikkentnissen eigentlich erwarten ;)

    Ein kurzer Blick auf Gentlemans übriges musikalisches Repertoire bzw. seine Lebensgeschichte genügt, um zu erkennen, dass damit keineswegs die Stadt Babylon gemeint ist. Wie bei so ziemlich jedem derart von Reggae und damit der verbundenen Rastafari-Kultur beeinflussten Künstler ist damit das “Babylon-System” gemeint, dass, in (historisch durchaus fragwürdiger) Anspielung auf das babylonische Exil der Israeliten Unterdrückung, Rassismus und Materialismus bezeichnet, das es zu zerstören gelte.
    Klingt eigentlich halbwegs tauglich für meinen Geschmack.

  6. unkraut
    20:36 on Dezember 28th, 2008

    Ich drehe einfach mal ganz dreist die Ordnung um (harhar). Zunächst zu Babylon: Mir ist bewusst, dass mit Babylon (vordergründig) nicht “Jerusalem” oder “die Juden” gemeint ist, und das sollte auch überhaupt nicht damit anklingen. Mit dem Begriff “Babylon” wendet sich die Rastafari-Kultur in erster Linie gegen eine angeblich dekadente und konsumorientierte westliche Welt. Dass man sich damit auch gegen Rassismus und Unterdrückung wendet, ist mir bewusst. Die “Kritik” am herrschenden System zielt aber eben nicht auf tatsächlich kritikwürdiges, sondern auf, um es etwas stupide zu sagen, “Konsumgeilheit” ab. Die dort präsentierte Kapitalismuskritik ist eine in sich nicht schlüssige und an sich schiefe Kritik, bei der eine Kritik an dem “Wunsch nach Vergnügen” konstruiert wird, anstatt grundlegende Ursachen für gesellschaftliche Missstände zu suchen. Diese seltsame Ablehnung der Errungenschaften der Moderne, die wenigstens die Möglichkeit von Vergnügen für Einige bietet, wollte ich anprangern. Mehr nicht.

    Zu Blumentopf: Dort habe ich zugegebenermaßen nicht korrekt am Text gearbeitet und etwas hineininterpretiert. Mit der Aussage “obwohl in Israel seit 30 Jahr’n das Gleiche geschieht” setzt der Text vordergründig nur die Tatsache gleich, dass Verstöße gegen UN-Resolutionen vorliegen, wobei, wie du ja auch erkannt hast, die Qualität dieser “Verstöße” ebenfalls gleichgesetzt werden. Mit der ironischen Aussage, dass das wohl “schon reicht für ‘nen Krieg” soll aber dann eben noch deutlich gemacht werden, dass, wenn man den Irak für “Verstöße gegen UN-Resolutionen” angreift, das Gleiche dann auch mit Israel machen sollte, bzw. wenn man Israel nicht angreift, der Irak auch nicht angegriffen werden soll. Darin sehe ich eine Gleichsetzung, die vorne und hinten nicht passt und mit “Kritik am Vorgehen eines Staates” nichts zu tun hat. Diese Gleichsetzung impliziert in meinen Augen, dass es sich bei Israel, wenn der Irak denn ein Terrorstaat sein sollte, auch um einen solchen handeln würde. Dass es ausgerechnet der jüdische Staat ist, der von Friedensfreunden immer wieder angegriffen wird, ist eben kein Zufall. Wo immer die Friedensbewegten einen Krieg nicht gutheißen, wird auf den jüdischen Staat und seine -Oh Wunder- zu großen Teilen jüdischen Bewohner gezeigt, die ja angeblich genau so schlimm sein sollen. Das geschieht nicht mehr als “Kritik”, sondern nur noch als Ressentiment.
    Hier mag ich im Text selbst ein wenig unargumentativ vorgegangen sein und habe vielleicht meine Kritik an der deutschen Friedensbewegung direkt auf Blumentopf übertragen. Für mich begibt sich “Danke Bush” aber dennoch in die große Reihe antizionistischer Machwerke, weshalb ich zu dem Urteil „stumpfer Antisemitismus“ kam. Mir ging es ja nicht darum zu zeigen, dass Blumentopf Antisemiten sind (ein großer Unterschied), sondern wie sie im Versuch eines “politischen Tracks” sich antisemitischen Ressentiments bedienen, nämlich dem Vergleich von Israel mit einem Terrorregime. Das ist natürlich nicht das Gleiche wie der typische Drittes Reich=Israel-Vergleich, aber dennoch reproduziert Blumentopf damit eine antisemitische “Israelkritik”, bei der israelische Militärschläge mit den Verbrechen von Terrorstaaten gleichgesetzt werden. Ob Blumentopf das denn genau so sagen wollten, ist natürlich bezweifelbar. Im Kontext des Textes muss sich Blumentopf diesen Vorwurf aber gefallen und am gesagten messen lassen, denn diese Zeile ist eben schlichtweg antisemitisch.
    Wir müssen glaube ich nicht das Klischee-Fass aufmachen, ob das denn jetzt heisst, dass nun jede Israelkritik antisemitisch ist?

  7. Monique
    02:33 on Dezember 29th, 2008

    …ich bin mal so dreist, die ordnung wieder rumzudrehen und mich auch noch selbst zu zitieren:
    “die line [...] ” als “stumpfen Antisemitismus” zu bezeichnen ist doch um etwas viele Ecken gedacht.”

    erste überlegung augrund des textes wäre demnach: iraks handlungen=israels handlungen

    zweite überlegung: irak=terrorstaat, irak wurde von usa angegriffen.

    soweit erschließt sich mir das ganze noch. aber ab da kann ich deiner argumentation nicht folgen. nur aufgrund der aussage, dass ein staat aktionen vornimmt, wie sie auch von einm terrorstaat vorgenommen werden heißt noch lange nicht, dass damit ausgesagt wird, der andere staat sei auch ein terrorstaat. ein solcher umkehrschluss wäre schlichtweg falsch.

    das erinnert doch stark an “erste prämisse: alle katzen sind sterblich. zweite prämisse: sokrates ist sterblich. ergebnis: sokrates ist eine katze.”, was bekanntlich ein beispiel für nicht hinreichende logische argumentation ist.

    wenn ich dir schon da nicht folgen kann, dann um so weniger bei der nächsten “ecke”.

    in das zitat selbst ließe sich zugegebenermaßen noch hineininterpretieren, dass auch israel angegriffen werden sollte, wenn denn schon irak angegriffen wird. sobald man allerdings den gesamtkontext des liedes betrachtet, wird so ziemlich jedem hörer- rudimentäre intelligenz vorausgesetzt- klar, dass es sich um eine reine kritik der bush-administration handelt. daraus ergibt sich, dass mit erwähntem zitat nur sarkastisch auf die offiziellen kriegsgründe angespielt wird, in verbindung mit bereits erwähnter unglücklicher israelkritik, die sogar eher noch als “beiwerk” zu werten ist als alles andere.

    Im Gesamtkontext des Textes muss sich Blumentopf vll. viel gefallen lassen, aber antisemitisch ist die Zeile sicher nicht.

    Und nein, dass Fass können wir zulassen (auch wenn wirs bisher nie richtig aufgemacht haben, fällt mir grade auf).

    Zurück zu Babylon:
    Ich hatte auch keineswegs erwartet, dass du Babylon als Jerusalem oder die Juden betrachtest (was geografisch und historisch sowieso ziemlicher Unsinn wäre?!?), sondern lediglich darauf hingewiesen, dass deine Formulierung so vollkommen missverständlich ist und dem mit durchschnittlichen, mit der materie weniger vertrauten leser sehr unangebracht und -fundiert erscheinen muss. Dass das “Babylon-System” und die von den Rastafari geübte Kritik daran widersprüchlich und in sich gar wie ein französisches Steak sind, ist mir durchaus bewusst. Allerdings sollte wiederum dir ja wohl klar sein, dass Gentleman und Curse den Begriff in diesem Lied nicht in klassischer Rastafari-Tradition gebrauchen, sondern als Synonym für die im übrigen Text angesprochenen gesellschaftlichen Phänomene/probleme.

  8. Monique
    02:59 on Dezember 29th, 2008

    …Schlussfolgerung vergessen- einigen wir uns bei Blumentopf auf unterschiedliche Sichtweisen und auf eine Gleichsetzung von “um etwas viele Ecken gedacht” und “nicht korrekt am Text gearbeitet und etwas hineininterpretiert”?

    ..Dann können wir glücklich und zufrieden auf unseren Standpunkten beharren und ich hätte mir die Hälfte meines vorigen Posts sparen können… ^^

  9. unkraut
    13:47 on Dezember 29th, 2008

    Blumentopf: Ja, kann man stehen lassen. Wie gesagt, es ging mir nicht darum zu sagen, dass Blumentopf krasse Antisemiten sind, sondern klassisch antizionistische/antisemitische Aussagen der Friedensbewegung hier am Text aufzuzeigen. Da habe ich mir die ganzen “Beweisführungen”, über die man sich wieder seperat streiten müsste, einfach weggelassen. Und da das hier halt ein kleiner Blog ist, und ich (man danke wem auch immer) nicht für Zeitungen schreibe, hab ich daraus auch keine Doktorarbeit gemacht. ;)
    Edit: Nach langem Überlegen hab ich dir teilweise recht gegeben.

    Babylon: Das mit Jerusalem habe ich geschrieben, da mir das tatsächlich als Interpretation vorgetragen wurde und ich nicht wusste, wie verbreitet diese Fehlinterpretation ist. Auch mit dem Babylon-System-Begriff habe ich mir einen Rundumschlag gespart und wollte nur den Bezug auf diese verdrehte “Sozialkritik” kritisieren, die bei einem Raggae-Künstler wie Gentleman eben automatisch gegeben ist, wenn er sich auf Babylon beruft.

  10. craqstar
    12:10 on Januar 20th, 2009

    Antizionismus und Antisemitismus sollte man nicht verwechseln.

    Und allzu wissenschaftlich wird hier mitnichten formuliert, auch der Autor dieses Blogs sollte weniger polemisieren gegen Kritik an Amerikanischer Politik. (Die nicht gleich in Antiamerikanismus mündet, nicht wa(h)r?)

    Die Zitate aus Texten sind schön zusammengewürfelt und aus dem Kontext gerissen.
    Es gibt von den Künstlern auch Gegenbeispiele bzw. Relativierungen in den jeweiligen Tracks, was hier aber nicht wirklich rauskommt weil man klar in eine Richtung argumentieren wollte?

    gruß cQ

  11. BoredLand
    15:14 on Januar 20th, 2009

    Ich denke du hast fast erkannt, wieso wir der Text für dich “schlecht recherchiert” klingt: Antisemitismus ist etwas, das macht Opa betrunken an seinem 80. Geburtstag. Das macht auch der Autonome Nationalist auf der Demonstration am 1. Mai und das macht Horst Mahler. Der Antizionismus, der durchaus auch ein eliminatorisches Moment besitzt, bildet jedoch eine Fassade für Leute die sich “modern”, “bürgerlich”, jedenfalls nicht “antisemitisch” geben. Antisemitisch zu sein ist auch völlig unmöglich, wenn man gesellschaftlich ernst genommen werden will. Viel besser funktioniert es sich in der Kategorie strukturell antisemitischer Ressentiments zu verstecken. Dort kann man seinen Vernichtungswunsch weg von “dem Juden” als “Kindermörder”, “Agressor”, “Menschenfeind” hin zum jüdischen Zufluchtsort transportieren. Die exakt gleichen Eigenschaften die man in Form von Ressentiments des Antisemitismus “dem Juden” zugewiesen hat, landen plötzlich im Mantel der “sauberen” Kritik in den beiden Symbolträchtigen Orten jüdischer Zuflucht: Den Vereinigten Staaten und Israel. Selbstverständlich ist es trotzdem möglich Israel zu kritisieren. Israel ist, wie jeder Staat, nicht das was man unter “perfekt” versteht. Ich würde sogar behaupten, dass er aufgrund extremer politischer Problemfelder ein sehr schlecht funktionierender Verwaltungsapparat ist. Erkennen muss man aber dabei, dass seine Existenz unbedingt von Nöten ist und das die Probleme die Israel hat und die es verursacht von sehr spezifischer Qualität sind. Im Gegensatz zu den meisten Staaten dieser Welt entstehen viele der Probleme Israels eben nicht durch innergesellschaftliche Konflikte wie es bspw. in Deutschland der Fall ist, sondern aus einer speziellen Bedrohungssituation, die eben nicht aus reiner Konkurrenz o.Ä. wie in “normalen” kapitalistischen Gesellschaften resultiert, sondern aus einer effektiv vorhandenen Vernichtungsbedrohung.

  12. craqstar
    00:08 on Januar 21st, 2009

    Erstens, meiner nicht.

    Zweitens, ja der Text ist schlecht recherchiert und ziehlt nur darauf ab bestimmte “Künstler” in die antisemitische Ecke zu stellen und das heisst jetzt nicht, dass man auf Antisemitismus nicht sensibel reagieren sollte.

    Drittens stimme ich dir zu. Israel muss existieren und hat alles Recht dazu sich zu verteidigen, wenn es angegriffen wird. Aber: Man kann sich über die Ausführung streiten und ja auch um das befolgen von UN Resolutionen.

    Und Vernichtungsbedrohung? Das sollte schon konkretisiert werden. Durch den Iran?

  13. BoredLand
    00:37 on Januar 21st, 2009

    Erstens, meiner nicht.

    Ich verstehe nicht auf was du dich beziehst.

    [..]ziehlt nur darauf ab bestimmte “Künstler” in die antisemitische Ecke zu stellen[..]

    Ich erkenne darin kein Argument.

    Man kann sich über die Ausführung streiten

    Natürlich kann man das. Es wird ja auch an jeder Ecke getan. Was man jedoch dabei nicht vergessen sollte: Es müssen gewisse Grundvoraussetzungen eingehalten werden. Das ist zum einen ein Bewusstsein über den zeitlichen/historischen Kontext die daraus folgende Anerkennung der Existenz und nicht zuletzt ein Verständnis für Ursache&Wirkung.

    und ja auch um das befolgen von UN Resolutionen.

    Natürlich kann man darüber streiten, das wird ebenfalls zur genüge getan. Vergessen sollte man dabei aber nicht, dass es sich bei einem hohen Anteil der beteiligen Staaten um Staaten handelt die nicht ein Mal die äußerste Grundlage, die Anerkennung des Existenzrechts, teilen. Dem Rest, der Westlichen Welt, fehlt es den genannten Grundvoraussetzungen. Das Israel nach Jahrelangen Zugeständnissen an UNO-Kompromisse noch NIE ein entgegenkommen des vermeintlichen Kontrahenten erfahren hat macht es nur konsequent die UN eben nicht zu dem zu machen was sie gerne wäre: dem interstaaten Souverän.

    Und Vernichtungsbedrohung? Das sollte schon konkretisiert werden. Durch den Iran?

    Gutes Beispiel. Wieso sollte ich das noch konkretisieren? Ist die Androhung der Vernichtung denn nicht Grund genug von einer Vernichtungsbedrohung zu sprechen?
    MfG

  14. craqstar
    12:10 on Januar 21st, 2009

    Zeitlich historische Existenzberechtigung? Ich glaube das beanspruchen hier zwei Seiten für sich – zu Recht.
    Man sollte aufpassen für sich ein Recht zu pachten, das man anderen nicht gewährt.

    Und zur Bedrohung durch den Iran;
    Du meinst doch nicht etwa das falsch übersetze Zitat von diesem dähmlichen ahmadinedschad?

    Wenn dem so sei und die Bedrohung wirklich so konkret wäre hätte Isreal schon lange reagiert – militärisch präventiv.

    Die Diskussion geht jetzt ein wenig weg von dem eigentlichen Thema, das liegt in der Natur dieses Konflikts.
    Und dennoch ist es falsch die genannten Musiker als Antisemiten zu bezeichnen, dazu gehört mehr als diese wirklich krampfhaft zusammengewürflten Textstellen und selbst die bezeugen keinen Antisemitismus. Da wird Metaphorik bewusst mißverstanden. (Beispiel Prinz Pi “Generation Dschihad”)

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